ULAP-Quartier Berlin-Mitte

Auswahl für die 3. Phase im städtebaulichen Dialogverfahren ‚ULAP-Quartier‘ in Berlin-Mitte mit Kepler 32 und gruppe F – Freiraum für alle

Auftraggeber: Land Berlin – Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

Bearbeitungszeitraum: 06/2021 – 03/2022

Verfahrensstand: Die erste Phase wurde für die fünf teilnehmenden Teams Ende Juni 2021 durch eine interaktive Planungswerkstatt mit Bürger*innen sowie einen Akteursworkshop eingeleitet. Im anschließenden Bearbeitungszeitraum entwickelten wir unser städtebauliches Konzept weiter, welches wir Ende August in Berlin präsentierten. In der anschließenden Jurysitzung wurden wir als eines von drei Teams für die 2. Phase ausgewählt. Nach der erneuten Präsentation im Dezember 2021 wurden wir als eins von nur zwei Teams für die – ursprünglich nicht vorgesehene – 3. Bearbeitungsphase ausgewählt.

Erläuterung

Mit dem ULAP-Quartier entsteht ein nachhaltiges und lebenswertes Quartier im Herzen der Hauptstadt, das die Berliner Mischung neu definiert und sich mit einem High-Rise Cluster als städtebauliches Pendant zu Hauptbahnhof und Europa-City selbstbewusst präsentiert.

Berliner Mischung 4.0

Unter dem Begriff der Berliner Mischung 4.0 entsteht ein städtebauliches Konzept, dass die typische funktionsgemischte Blockrand- und Hinterhofbebauung Berlins in die Neuzeit übersetzt.

Durchzogen wird das Quartier von einer  lebendigen Erdgeschosszone mit vielfältigen Nutzungen aus Einzelhandel, Gastronomie, Kultur und Service.

Quartiersvernetzung

Quartiersbänder vernetzen das neue Stadtviertel mit seiner Umgebung und öffnen das bisher geschlossene Bahnviadukt als Durchgang zum ULAP-Park. Die Bänder dienen zum einen als qualitätvolle Aufenthaltsräume im neuen Quartier, zum anderen bieten sie eine autofreie Wegeverbindung von der Zille Siedlung und dem nördlich gelegenen Fritz-Schloß-Park bis an die Spree und ins Regierungsviertel.

Hochpunkte

Die zum Hauptbahnhof ausgerichtete Ostspitze des Quartiers wird geprägt vom High-Rise Cluster des Verwaltungskomplexes mit Polizei, Senatsjustizverwaltung, Konferenzbereich und weiteren Verwaltungsflächen. Mit dem Ensemble aus drei unterschiedlich hohen Türmen entsteht eine neue Landmarke, die den Hochhausschwerpunkt Europaplatz im Norden des Hauptbahnhofs ergänzt. Dadurch wird die Silhouette des Bahnhofsumfeldes und die Blickbeziehung, insbesondere vom Regierungsviertel aus, neu geformt. Weitere Urbane Akzente besetzen wichtige Eckpositionen und schaffen spannende Blickbeziehungen.

Stadtteilschule

Das soziale Herz des ULAP-Quartiers bildet die neue Stadtteilschule. Sie soll durch ihre innovative Kombination von Schule, Wohnen und gemeinschaftlichen Einrichtungen sowie ein nachhaltiges Materialkonzept wegweisend sein. Das Nachbarschaftszentrum im nördlichen Teil der Schule dient als neuer Treffpunkt und Mitte des Stadtteils und bezieht die benachbarten Bewohner:innen der Zille-Siedlung mit ein. Angeschlossen an das Nachbarschaftszentrum wird der denkmalgeschützte Urania-Saal einer neuen Nutzung zugeführt und damit wieder in Szene setzt. Hier können Theater-Aufführungen der Schule oder Nachbarschaftsversammlungen stattfinden. Weitere öffentlichkeitswirksame Einrichtungen im Erdgeschoss vernetzen Schule und Nachbarschaft. Auch die Sporthalle steht in den Nachmittags- und Abendstunden für Vereinsnutzungen zur Verfügung. Nicht zuletzt ist auch der Schulhof mit den dortigen Spielflächen nach Schulschluss öffentlich zugänglich.

Ideenteil

Der Straßenraum Alt-Moabit wird städtebaulich neu interpretiert. Die vorhandene Blockrandbebauung auf der Südseite erhält ein urbanes und belebtes Gegenüber. Durch den attraktiven Baumbestand sowie durch die Schaffung von mehr Raum für Fußgänger und Außengastronomie entsteht eine lebendige Kiez-Allee mit eigener Identität.

Die Öffnung und Bespielung des Bahnviadukts ermöglicht eine bessere Durchwegung zum ULAP-Park. Hier sind Freizeit- und Sportnutzungen angedacht, eine Fahrradgarage mit Werkstatt, eine Kletterhalle sowie eine Straßensozialarbeit für Obdachlose.

Freiraumkonzept und Erschließung

Der Freiraum bietet den Nutzer:innen vielfältige Aneignungsmöglichkeiten. Der Fokus liegt auf Fußgänger:innen und Fahrradfahrer:innen. Der Städtebau wurde bestandsorientiert entwickelt. Möglichst viele der großen und alten Bäume werden erhalten und prägen den Charakter des neuen Quartiers mit.

Die wichtigen Aufenthaltsbereiche für die Menschen im ULAP-Quartier befinden sich entlang der als Kiez-Allee gestalteten Straße Alt-Moabit und auf den weitgehend autofreien Quartiersbändern.

Mit dem ULAP-Quartier entsteht ein weitestgehend autofreies Stadtviertel in einer der verkehrstechnisch besten Lagen des Landes direkt am Berliner Hauptbahnhof. Neben der direkten Anbindung an Nah- und Fernverkehrszüge entsteht mit der neuen Straßenbahnhaltestelle „Urania-Saal“ ein optimales ÖPNV-Angebot in der Quartiersmitte. Zudem sorgen zahlreiche Fahrradstellplätze, Stellplätzen für mobilitätseingeschränkte Personen und alternative Mobilitätsangebote, wie Carsharing, für eine optimale Verkehrserschließung.

In einer Mobilitätsstation in der ALDI-Garage bündeln sich im Zentrum des Quartiers, neben Carsharing, auch weitere alternative Mobilitätsangebote, wie Bike-Sharing, Lastenradverleih und eine Paketstation.

Nutzungskonzept

Es entsteht ein Quartier mit drei Nutzungsschwerpunkten:

Dem hoch verdichteten Metroplitanen Ensemble zum Hauptbahnhof entstehen die neue Polizeiverwaltung, ein Konferenzbereich und öffentlichen Dachnutzungen,

dem Großstadt-Mix im zentralen Bereich, bestehend aus Verwaltung, Wohnen und Einzelhandel sowie

der nach Moabit ausgerichteten Urbanen Gemeinschaft mit einer Mischung aus Wohnen, Schule, Kita und Gewerbe im Erdgeschoss.

Nachhaltigkeit

Möglichst viele der großen bestehenden Bäume sollen erhalten bleiben. Es ist eine extensive und intensive Dach- und Fassadenbegrünungen zur Förderung der Biodiversität geplant. Des Weiteren sind eine Speicherung von Regen- und Brauchwasser vor Ort sowie eine Nutzung von Solarenergie und Geothermie vorgesehen. Die Zwischennutzung des bestehenden Polizeigebäudes ermöglicht eine Nutzung der sogenannten „grauen Energie“.